Sonntag, 28. November 2010

my life is beautiful

Was war das denn bitte für ein geiler Tag?
Ich hab gestern den geilsten fishing-trip erlebt seit dem ich hier bin und das waren bis dato immerhin schon einige, aber dieser Tag hat einfach alles getoppt.
Los ging’s um 4.45 Uhr in der Früh, denn um diese unmenschliche Zeit hat mich mein Wecker aus dem Bett gerüttelt. Nachdem ich mir bei ner gemütlichen Tasse Tee den schönen Sonnenaufgang rein gezogen und meinen Magen ein wenig gefüllt habe, hat mich Paul um 6 Uhr abgeholt und auf ging’s zum unvergesslichen Trip.

sunrise at Banana-Well

In seinem Büro in Beagle Bay haben wir noch Jeremy abgeholt und die Kühltruhen mit Eis aufgefüllt und haben uns dann auf die einstündige Fahrt zu unserem Ausflugsziel begeben. Die Fahrt durchs nirgendwo ist schließlich an Laurys‘ Grundstück zu Ende gegangen – eigenes Haus, direkt am Strand, was will man mehr?
Nachdem wir dann das Boot ins Wasser ließen, haben Jeremy und Ich noch ein paar Köderfische gefangen, während Paul und Laury das Auto an einen trockenen Ort gefahren haben. Doch 5min Unachtsamkeit haben schon gereicht um das Boot wieder auf Sand zu setzten. Wir hatten vergessen das Boot mit der Ebbe hinaus zu schieben und so lag es kurze Zeit später wieder mit trockenen Füßen da. Mit aller Kraft haben wir das Boot ca. 30m gen Meer geschoben, doch die Gezeiten waren einfach schneller wie wir und so haben wir noch 10min erschöpft kapituliert und haben die Bierflaschen eben ein wenig früher geöffnet als geplant.

waiting for the incoming tide

Das Warten auf die Flut blieb dennoch nicht langweilig, denn Laury hatte in der fernen Weite zwei Weißkopf - Seeadler gesichtet und sie durch Pfeifen zu uns gerufen. Ich hab keine Ahnung wie er sie aus über einem Kilometer Entfernung überhaupt sehen konnte, für mich wurden sie erst 200m vor dem Fisch sichtbar, welchen wir ebenso platziert haben um sie anzulocken. Im Sturzflug hat er sich den Fisch dann 10m von uns entfernt gekrallt – was ein großes Tier.

das Baby hat lieber gewartet

Nach einer 2 ½ stündigen Wartepause hatte Pauls‘ Boot dann endlich wieder Wasser abbekommen und los ging’s. Ursprünglich wollten wir außer Fischen auch eine Schildkröte für Pauls‘ Chef fangen, allerdings hatte Laury seinen Speer verliehen und so blieben wir dann doch beim Fischen. Nur indigene Personen haben die Erlaubnis ein Schildkröte zu fangen, doch an diesem Tag war diese einzigartige Erfahrung leider nicht zugänglich für mich. Allerdings haben sie mir erzählt wie sie gefangen und anschließend verarbeitet werden. Vom Boot springen sie mit dem Speer auf die Schildkröte drauf und versuchen sie dann an die Oberfläche zu ziehen, wo sie dann jemand ans Boot zieht. Mag sich vielleicht einfach anhören, aber ich denke so einfach ist es dann doch nicht, denn selbst eine so ungefährliche Schildkröte kann mit Leichtigkeit jemandem den Finger abbeißen. Zum Kochen wird die Schildkröte dann einfach auf das offene Feuer geworfen wobei sie zuvor natürlich mit einem gezielten Schnitt getötet wird. Abgesehen davon das das Fleisch relativ gut schmecken soll, ist wohl eher der Panzer das wertvolle Gut nach welchem alle hinterher sind. Zum Reinigen des Panzers, schmeißt man in einfach in den Garten bis die Ameisen schon nach wenigen Tagen ihn gereinigt haben oder man befestigt in einfach an einer Schur und schmeißt ihn zurück ins Wasser wo die Fische die Reste essen würden.
Dieses Mal steuerten wir nicht eines der vielen Riffe an, welche hier zahlreich an der Küste verteilt sind, sonder die Creeks, welche nur bei großen Gezeiten mit dem Boot befahren werden können. Umgeben von Mangroven haben wir dann unsere „handlines“ mit dem frisch gefangenen Köder am Haken ins Wasser geworfen und es hat uns nicht viele Zeit gekostet um die ersten Fische ans Bord zu ziehen.


Allerdings alles Achtung das man sich nicht zu weit aus dem Boot lehnt, denn in diesen Creeks wimmelt es nur so von Krokodilen. Vielleicht sagt ja jemandem was der Name Malcom Douglas, ein Kimberley Pionier, welcher einiger seiner Dokumentationen genau an solchen Orten gefilmt hat. Die meisten seiner Krokodile welche er in seinem Krokodil-Park in Broome hat stammen ebenso aus dieser Gegend. So hab ich im Laufe des Tages auch eines zu Gesicht bekommen, allerdings hatte es den riesigen Kopf nicht lang genug aus dem Wasser gehalten um ein Foto zu schießen. Doch ein Krokodil hat uns dennoch einen Besuch abgestattet und hat fünf Meter neben unserem Boot schön die Luftblasen an die Oberfläche geblasen, doch selbst ein leckerer Fisch konnte es nicht an die Oberfläche locken.

Könnt ihr die Luftbläschen sehen? :D

Den ganzen Tag sind wir dann von Creek zu Creek gefahren und haben unser Glück an verschiedenen Orten probiert. Zwischendurch durfte ich dann auch noch Paul’s 50Ps starken Motor aufdrehen, welcher die Spitze des Bootes ganz schön in die Luft drückt. Nachdem die Sonne dann schließlich hinter den Mangrovenwäldern untergegangen ist und die Kühltruhe voller Fische war, wollten wir den Abend noch gemütlich bei Laury ausklingen lassen, wenn wir allerdings nicht mit dem Auto und dem Boot im Sand stecken geblieben wären. War mittlerweile schon das zweite Mal an diesem Tag und zudem war es noch Dunkel.

sunset at the creek
with high tide

Nach über ner Stunde konnte der Allräder mit ein paar Hölzern unter den Reifen kämpferisch aus dem Sand ziehen und dennoch glücklich ging es dann um 8pm wieder auf den Weg zurück.
Ein riesen Dankeschön an Paul, der mir diesen Tag erst ermöglicht hat! Zu wenige Personen gibt es in der Gegend die wirklich einhalten was sie versprechen, doch er ist einer davon. Ich will niemanden hier schlecht reden, es ist lediglich die Erfahrung die ich bisher gemacht habe.
v.l.n.r.
Paul, Laury, Jeremy und Ich

Ich freu mich auf die ausstehenden 3 Wochen, denn auch sie werden unvergesslich werden, wie all die Erfahrung die ich bisher hier gesammelt habe ;)

Donnerstag, 25. November 2010

Fishing...

Es sind momentan die erholsamen Stunden nach der Arbeit die dieses Leben hier in der abgeschotteten Gegend so einzigartig und wundervoll machen. Momente, welche all harte Arbeit und Anstrengung in der Hitze des Outbacks verdampfen lassen. Jeglicher Verzicht, welche diese zivilisationsarme Gegend mit sich bringt erscheint plötzlich so klein und unbedeutend, als hätte es in meinem bisherigen Leben noch nie eine Rolle gespielt. Dinge nach denen ich mich in ruhigen und einsamen Minuten wieder sehne, verschiebe ich in den Hinterkopf, denn das was vor mir passiert wird bald passé sein. Im Hinblick auf die verbleibende Zeit, wird aus einem „noch“ plötzlich ein „nur“ und es stimmt mich selbstkritisch, denn ich frage mich selbst: „Warum fängst du jetzt erst an alles zu genießen?“ War zuvor alles zu abenteuerlich und aufregend oder braucht ein Mensch einfach die Zeit um zu kapieren, dass das was momentan noch so greifbar und alltäglich erscheint für viele Menschen unerreichbar ist. Weiß ich es wirklich zu schätzen was sich momentan Tag täglich vor meinen Augen abspielt? Ich kann mit fester Sicherheit behaupten, ja. Doch es wird immer so sein, dass Menschen Dinge erst mehr zu schätzen lernen, wenn sie nicht mehr greifbar sind, was allerdings nicht heißt, das sie nie zu schätzen wussten, was sie zuvor besaßen.

kleine Abwechslung am Wochenende
beim Polieren einer Perlenmuschel

Es ist mal wieder einer dieser Tage an dem es nach der Arbeit zum Fischen geht. Die durchgeschwitzten Arbeitsstiefel ausgezogen und rein in die Flip-Flops. Im Kopf wird schnell die Checklist fürs Fischequipment hochgeladen. Angel, Köder, Kühltruhe, Eis, Messer, Zange, Mosquitoespray und kaltes Wasser, ja ich hab alles. Die Cap aufgezogen und ein wenig Sonnencreme aufgetragen und dann kann es auch schon losgehen. Schnell noch Wasser, Öl und Benzin gecheckt und ab geht‘s in den dreckigen Landrover, welcher noch vom Vortag mit einer inzwischen getrockneten Schicht aus Schlamm bedeckt ist.

Über die unebene, rote Piste gebrettert, verschlägt es uns heute zur Abwechslung mal zu „Norman’s Creek“, einer der vielen wundervollen Spots hier in den West-Kimberley. Doch egal wo man sein Glück probiert, einen Fisch zu fangen ist ohnehin garantiert.

das war wohl sein Tag
Norman hat nur mit nem Blinker all
die Fische aus dem Wasser gezogen

In einem Gebiet, welches Jahrzehnte lang, fest unter der Hand der Aborigines war dringt sich so langsam der Tourismus auf. Es gibt wenige Orte auf der Welt in denen sich die Fische im offenen Meer noch so tummeln wie in dieser Gegend. Längst wurden an anderen Orten der Erde die Küsten leer gefischt oder von der Industrie vertrieben. Doch dazu gehört dieser Ort noch nicht! Das Einzige was mich an meinem letzten Satz stört ist das „noch“. In Broome und in vielen anderen Städten der Kimberley Region werde schon Vorbereitungen getroffen um in naher Zukunft die riesigen Gasreserven aus dem Boden dieser einzigartigen Region zu saugen. Doch zum Glück gibt es genügend Menschen hier, die genau dieses Vorhaben stoppen möchten. „You will never know what you’ve got until you lost it“, einer der vielen Sprüche welcher auf die Straßen in Broome gesprayt wurde. Doch leider lässt es sich schon vorhersagen, dass die Industrie zu mächtig und groß ist um sich von ein paar Umweltfreunden aufhalten zu lassen.
Jetzt hat es mich ein wenig in die falsche Richtung verschlagen :) Zurück zur Gegenwart und zum Fischen.

hier Fischen wir 3 hin und wieder nach der Arbeit

Angekommen am Creek wird alles Entladen. Die Mud-boots übergezogen und der Haken mit einem schönen Stück Fisch bestückt – frischer Köder ist eben immer noch der Beste. Doch allein der Blick aufs strömende Wasser enttäuscht, denn wir waren heute leider ein wenig zu früh dran. An einem Ort, an welchem zwischen Ebbe und Flut nahezu 10m liegen können, muss man doch eben einen genaueren Blick auf das „tide-book“ werfen. Es ist wohl das meist umworbene Buch in dieser Gegend, denn es besitzt hier nahezu jeder. Was für Christen die Bibel sein mag, ist für Angler hier ein „tide-book“. Man kann darin für jeden einzelnen Tag des Jahres ablesen, wann Ebbe und Flut ist und dazu auch noch wie hoch bzw. niedrig die Wasserstände sind. Je nachdem was man fangen will, plant man seine fishing trips mit einem Blick auf die Gezeiten. Auch wenn wir ein wenig zu früh an der Zeit waren, die gewaltige Strömung ist dennoch beeindruckend.


Doch als sich nun das Gewässer beruhigt hat und es wieder möglich war einen Biss von der Strömung zu unterscheiden, warfen wir die Haken ins Wasser. Nicht lange hat es gedauert bis die ersten Fische mit einem Probieren immer wieder kleine Züge an meiner Leine auslösten. „Nehm doch endlich das ganze Ding mit“ denkt man sich und wenn es dann soweit ist benötigt es nur noch einen kräftigen Zug an der Leine und schon hat man den Fisch am Haken. In Deutschland habe ich mich ja noch nie wirklich fürs Fischen interessiert, hin und wieder haben Ausflüge zum Forellen-Puff frischen Fisch auf den Teller gebracht, ansonsten war es immer nur das Filet aus dem Tiefkühlregal. Über den geschmacklichen Unterschied will ich erst gar nicht reden, aber das wäre ein weiterer Grund um meine Zeit hier zu verlängern.

das war dann wohl ein "cat-fish"

Es dreht sich hier momentan eigentlich alles ums Fischen. Letzten Donnerstag hat Mario uns mit dem Boot zum Fischen genommen, ausnahmsweise hatten wir mal einen Tag frei. Doch bevor es zum viel versprechenden fishing-trip ging, wurde am Abend zuvor noch der Köder gefangen. Ein voller Eimer nach ein paar Würfen mit dem Netz schien ein gutes Omen zu sein.

ein Eimer voller Köderfische

Creek bei low-tide
hier haben wir unseren Köder gefangen

Mario hatte sogar flüssig Köder eingepackt um die Fische ans Boot zu locken – er hatte wohl was Großes vor. Doch als wir dann am nächsten Morgen 300m offshore waren ist aus heiterem Himmel der Motor des Bootes kaputt gegangen und das Riff an welches er uns bringen wollte, war dann ein ganz schönes Stück entfernt. Aus dem viel versprechenden Trip wurde ein Flop und wir sind wieder zurück gepaddelt und haben unser Glück nahe der Küste probiert, was sich allerdings schnell als äußerst erfolgslos heraus gestellt hat. So haben wir kurzer Hand den fishing-trip in einen Erholungstrip umgewandelt und uns an den Strand gelegt. Enttäuschendes Fazit: 0 Fische :)

Boot zurück auf den Hänger und Chillen :)

Doch der nächste Ausflug steht schon vor der Tür und kann nur besser werden. Am Samstag werde ich nämlich mit Paul und paar seiner Kollegen zum Fischen auf den Ozean hinaus fahren. Am Sonntag geht dann der Rest zum Fischen und ich werde dann aufs Camp aufpassen, allerdings werde ich die Zeit nutzen um ein klassisches schwäbisches Gericht pünktlich zum Abendessen zu servieren. Jawohl, es gibt Linsen mit Spätzle :) Hat jemand zufällig paar Saitenwürstle? Hab jetzt scho mega bock drauf!


Außer den ganzen Ausflügen hat es mich am Sonntagmorgen mit Norman nach Broome verschlagen. Wir haben Lebensmittel und Baumaterial einkaufen müssen und ich hab den kleinen Aufenthalt noch genutzt um nach nun 3 Monaten schließlich auch Internet auf meinem Laptop zu empfangen. Das Problem war allerdings nicht mein Laptop sondern das äußerst inkompetente Personal vom Telstra-Shop.
Inzwischen haben wir auch die neuen Projekte von Michelle zugeschickt bekommen. Ich habe noch keinen genaueren Blick darauf geworfen aber es sind einige mehr als bei der ersten Wahl. Damals hatte sie uns versprochen, dass wir nun bei der zweiten Wahl unser Wunschprojekt garantiert bekommen, wenn wir hier ins Outback gehen. Wir drei waren alle sehr gespannt auf die neuen Projekte, doch Mario ein wenig enttäuscht, dass wir alle so fest davon überzeugt sind zu gehen. Er meint immer wieder, dass wir uns nach Banana-Well sehnen werden, denn es sei der beste Ort für uns. Wir drei wissen alle, dass dieser Ort seine Vorzüge hat, aber wir möchten uns auch nicht mehr von Mario anhören, dass wir zu viel Essen usw. Er labert eben viel wenn der Tag lang ist :)

wenn die Mosquitoes raus kommen
ist es dann auch Zeit zu gehen :)

Grüße an alle die immer noch so fleißig mitlesen. Ich kann versprechen, dass es zukünftig wieder interessanter wird, denn in den letzten 3 Wochen wird noch einiges hier passieren und zudem steht die Reiseperiode vor der Tür. Freut euch auf viele tolle Bilder ;)
Liwbw Güße und einen schönen Start in die Adventszeit
Dani

Mittwoch, 17. November 2010

Das Ende ist in Sicht und die Stimmung steigt

Nach diesem Motto sind wir in die vergangene Woche gestartet und hatten reichlich Spaß. Während Max und Ich uns eher auf die Reiseperiode freuen, blickt Chris schon dem Winter entgegen, denn er wird für 4 Wochen zurück nach Deutschland fliegen. Doch nicht nur das immer näher kommende Ende ließ die Stimmung in der vergangenen Woche steigen, mehr war es wohl, dass Max und Ich endlich unsere eigene Zimmer haben und somit die so sehr ersehnte Privatsphäre!

mein Kleiderschrank

Nachdem Lilly uns vergangenen Montag verlassen hat, hab ich die Gelegenheit ergriffen und Mario gefragt ob es möglich wäre in das nun frei gewordene Zimmer einzuziehen. Unter der Bedingung, das Zimmer wieder zu räumen falls Kunden kommen, habe ich das Zimmer sofort bezogen, was wohl die beste Lösung war um die stetig steigende Spannung aus der Luft zu nehmen. Es mag vielleicht so klingen, dass Max und Ich unfähig sind gemeinsam in einem Zimmer zu leben, doch man kann es sich einfach schwer vorstellen wie es ist sich rund um die Uhr zu sehen und keinen ruhigen Ort zu besitzen an welchen man sich mal zurück ziehen kann um die ganzen Erfahrungen für sich alleine zu verarbeiten oder sich einfach mal fallen zu lassen.

nun hab ich mein eigenes kleines Reich,
zuvor haben Max und ich solch ein Zimmer
teilen müssen

Die Privatsphäre ist ein so wertvolles Gut, wessen Wert ich nur durch diese Erfahrungen zu schätzen gelernt habe. Anfangs fand ich es ein bisschen Schade, dass Chris allein in Zimmer ziehen musste, doch von Woche zu Woche habe ich ihn mehr darum beneidet. Doch das ist nun alles Schnee von gestern und ich genieße es nun ein eigenes Zimmer zu besitzen welches ich bereits für Jahre von zu Hause gewohnt war. Zurück zum Winter, ich beneide alle Menschen in Deutschland die zwar morgens ihr Auto frei kratzen müssen, allerdings bald durch verschneite Wälder und Weihnachtsmärkte laufen können und gemütlich heißen Glühwein, selbst gebackene Weihnachtsplätzchen und leckere weihnachtliche Gerichte schlämmen können. Unglaublich wie viele Dinge man einfach zu schätzen lernt wenn man sie nicht mehr greifbar sind!
Doch wen ich schon die kulinarische Richtung eingeschlagen habe, muss ich doch noch schnelle was loswerden. Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir einen kleinen Hai gefangen, er hatte sich in unserem Netz verfangen und war bereits tot als wir das Netz am Morgen wieder rein geholt haben. Auf meine Bitte ist der Hai dann nicht wieder im Meer gelandet sondern ein paar Tage später bei uns auf den Tellern. Noch vor Ort hat Mario den über ein Meter langen Hai ausgenommen, filetiert und natürlich die Flossen abgenommen, was der erste und wichtigste Schritt ist. In den Flossen speichert der Hai einen Schadstoff der sich Ammonium nennt und dem Fischfleisch einen unangenehmen Beigeschmack gibt. Ich bin zwar kein Chemiker aber das konnte ich soweit aus Marios italienischem Englisch verstehen :) Dieser Schadstoff ist auch der Grund warum man die Filets für mindestens 4-5 Tage im Kühlschrank ruhen lässt bevor man sie zubereitet. Schließlich landete der Hai dann als mega leckere Fish-Fingers bei uns auf dem Teller und das natürlich ganz ohne Krähten.
Außerdem durften wir vergangene Woche auch noch in den Geschmack von Seekuhfleisch kommen, welches normalerweise nur für indigene Personen zugängig ist.

Spaß bei der Arbeit darf auch mal sein

Vergangene Woche während dem morning tea:
Chris: „It’s quiet cool today, isn’t it?“
Ich: „Yeah just 34 degrees :)“

Unter noch verhältnismäßig kühlen Temperaturen ging es in den vergangenen Tagen zur Arbeit, welche inzwischen eher zur Pflicht geworden ist. Kein Tag der vergangen Woche ist vergangen ohne dass Mario uns mit dem Anhänger los geschickt hat um den roten Kies von der Straße zu kratzen, welchen er benötigt um ein wenig mit seiner neuen Rüttelmaschine zu spielen. Ansonsten wurden noch Wege gepflastert, Wasserleitungen verlegt, Chilis gepflanzt und natürlich Laub zusammen gerächt, denn die Bäume hier lassen das ganze Jahr über ihre Blätter fallen.

Wollten wir nicht Chilis pflanzen?

da freuen sich aber welche aufs Wochenende

Unsere Veranda wird hoffentlich bis zur nächsten Woche fertig werden, schließlich kehren langsam wieder die Mosquitoes zurück. Doch macht euch keine Sorgen, wenn uns gerade nicht die Mosquitoes auf die Nerven gehen, tun es eben die Fliegen, gegen die man sich nur so währen kann :)

Chris mit seinem Rund-um-Schutz gegen die äußerst aufdringlichen Fliegen
Unterhose gegen Fliegen in den Ohren
Sonnenbrille gegen Fliegen in den Augen
und die Cap natürlich gegen die Sonne
für die Fliegen in der Nase haben wir noch nichts patentiert,
da hilft wohl weiterhin nur das kräftige Ausatmen

Am Wochenende durften wir Freiwillige Marios Landrover schnappen uns sind zu einer nahe liegenden Bucht gefahren um einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Eine Erfrischung war wohl nur das kühle Wasser in unserer Kühlbox, denn das Wasser hatte bestimmt an die 30 C° und war somit alles andere als erfrischend.

wir sehen bloß so weiß aus,
weil Max schon fast schwarz ist :D

no trip to the ocean
without net and handline

Das war mal wieder ein kurzer wöchentlicher Einblick in mein kleines Abenteuer
Ganz liebe Grüße die immer noch so fleißig mitlesen und es mal wieder bis ans
Ende geschafft haben :)

Dienstag, 9. November 2010

Zeiten die mich prägen

Wenn man anfängt die verbleibenden Wochen zu zählen, freut man sich dann zu sehr auf das was danach kommt oder hat man die Schnauze voll von dem was man momentan tut?
In meinem Fall passt wohl beides. Ich freue mich tierisch auf den gemeinsamen Urlaub mit meiner Familie und natürlich auch auf das zivilisiertere Leben, allerdings bereue ich auch keine einzige Sekunde die ich hier draußen verbracht habe. Ein Leben das ich mir vor dieser Zeit nie hätte vorstellen können, denn es ist ein Leben ohne Zivilisation, Familie, Sport, Freunde, Handy, Abwechslung und geprägt wird es zudem noch von Einsamkeit, harter Arbeit, tropischem Klima, zahlreichen Insekten, Schmutz und mangelnder Privatsphäre. Mir fällt es sehr schwer die Situation zu beschreiben, es benötigt vermutlich einen gewissen Abstand um wieder mit anderen Augen auf diese Leben zu blicken in welchem ich momentan lebe. Man lernt einfache Dinge zu schätzen, die ich in meinem bisherigen Leben nicht einmal zu schätzen gewusst habe. Auch wenn es nur eine kalte Dusche oder ein voller Kühlschrank ist, viele Dinge in meinem Leben haben ihren Wert vervielfacht. Eine Tatsache die ich mittlerweile schon behaupten kann ist, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung im Wohlstand lebt und dennoch ständig etwas auszusetzen hat.
Nichts desto trotz freue ich mich auf die verbleibenden 6 Wochen in welchen hoffentlich noch tolle Erfahrungen gesammelt werden können. Es sind bereits schon einige Dinge geplant wie zum Beispiel der Fishing-Trip mit Pauls großem Boot oder ein paar Arbeitstage mit indigene Personen, was einer meiner größten Wünsche war, einfach um den Umgang mit solchen Menschen kennen zu lernen. Es wurde mir bereits gesagt, dass der Begriff „Arbeit“ eine kleine erholungsvolle Bedeutung für Sie hat. Ein Vorurteil über welches ich mir mein eigenes Bild machen möchte, bevor ich anfange zu urteilen.
Doch all das liegt noch in der Zukunft und gelebt wird in der Gegenwart, welche momentan von sehr harter Arbeit geprägt wird.

unsere Veranda
das kleine Dach wurde schon abgenommen und
das Gitter für das neue wird gerade gebaut

Weniger ist es die Art der Arbeit welche verrichtet werden muss, doch mehr die Temperaturen und mangelnden Arbeitsgeräte die diese Arbeit zu einer solchen harten machen. Wie Paul mir einst gesagt hat, man lebt hier 50 Jahre zurück, was sich auch an der Arbeit wieder spiegelt. Viele Tätigkeiten müssen noch von Hand verrichtet werden, doch dabei würden es Maschinen doch so viel einfacher machen! Dennoch sind die Hände das beste Werkzeug :)
In der vergangenen Woche haben wir unsere komplette Veranda vergrößert.

das Dach schon gebaut nun musste der komplette Kies verteilt werden,
welcher zuvor mühevoll von uns Freiwilligen von der "road" gefegt wurde

Kies und Sand verteilt
Stein für Stein wurde nun gepflastert

Angefangen bei dem Dach welches nun größer und isoliert ist, weiter zum Boden welcher nun nicht mehr aus rotem staubigen Kies besteht sondern fein gepflastert wurde, bis hin zu den Wegen welche zukünftig keine Stolperfallen mehr sein werden.

so sah es dann am Ende aus

Inzwischen hat uns auch Lilly verlassen müssen, sie hatte bereits fast ein ganzes Jahr in Australien verbracht und wollte noch einige mehr verbringen, doch ihr Visa wurde nicht verlängert und so musste sie ausreisen. Die Gruppe dezimiert sich und zurück bleibt der harte Kern, welcher aus Mario, Norman und uns Freiwilligen besteht. Doch bevor die ausgebildete Friseurin uns verlassen hat, hat sie Chris und mir noch einen Haarschnitt verpasst, welcher bei mir ohnehin schon längst überfällig war! Kurz, kürzer, der Bart ist fast länger als mein Haar auf dem Kopf :)

Haarschnitt im Outback

Menschen gehen, doch Tiere kommen. Das Gestöhne der Pfauen während der vergangenen Wochen hat ihre Früchte geworfen und so sind es mittlerweile einige kleine Pfauenbabies die hier durch die Gegend watscheln.

die Mutter mit ihrem Baby
auf dem täglichen Nachmittagsspaziergang

Wer für das Wochenendprogramm Abwechslung erwartet hat, liegt wohl falsch. Dieses Wochenende ging es zum „Shelling“ und nicht zum „Fishing“ was natürlich an den Gezeiten lag. So wechselt es sich hier immer im 2-wochen Takt ab. Ich wusste zwar, dass das Muscheln sammeln total langweilig ist, allerdings erhoffe ich mir immer wieder, dass sich das frühe aufstehen doch irgendwann mal bezahlt macht. Es gibt echt weniger was langweiliger ist als das! Nachdem Max schon nach 20min die Lust verloren hat, hat es bei mir weitere 40min gebraucht bis ich mein Werkzeug zur Seite gelegt hab und mir die Zeit für ein paar tolle Naturaufnahmen genommen habe.


eine gestrandete Perlen Boje
und im Hintergrund Mangroven

in den Mangroven
felsiger Übergang zum Meer

Meine restliche Freizeit nehme ich mir dann hauptsächlich zum Ausruhen, Nachdenken und Reflektieren. Immer regelmäßiger schnüre ich mir momentan auch meine Laufschuhe um, denn es macht einfach Spaß mitten durch die Natur zu joggen. Hin und wieder fliegen Papageie über die Baumkronen hinweg und wenn man mal glücklich ist, sieht man dann vielleicht auch mal einen Esel :)
Ein weiterer Zeitvertreib ist dann auch noch das Lesen, welches sich hauptsächlich mit lokaler Geschichte beschäftigt.